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„In der Gewissheit, dass unsere Sünden durch Sein Opfer vergeben sind, finden wir Ruhe und Heilssicherheit.“

Jean Calvins Schreiben an den Duke of Somerset

File:John Calvin 01.jpg

Der jun­ge Jean Cal­vin

Nach dem Tode Hein­rich VIII 1547 wur­de Edu­ard VI, als ein­zi­ger Sohn Hein­richs bereits mit 9 Jah­ren König von Eng­land und Irland. In die­sem Alter hat­te er natür­lich nur reprä­sen­ta­ti­ve Funk­tio­nen, die eigent­li­che Macht hat­te in den ers­ten 2,5 Jah­ren sei­ner Herr­schaft Edu­ard Sey­mor, Duke (in etwa Her­zog) of Somerset, in der Funk­ti­on eines Lord­pro­tec­tors mit erwei­ter­ten Befug­nis­sen. Die­se nutz­te er zur Freu­de der „Evan­ge­li­cals“ im Land, um die Refor­ma­ti­on inten­si­ver vor­an­zu­trei­ben. Kein Wun­der, dass den Duke auch ein Schrei­ben von Jean Cal­vin erreich­te, ver­fasst am 22. Okto­ber 1548.  Der Cal­vin-Bio­graph Her­man J. Sel­der­huis hält fest: „Cal­vin war uner­schüt­ter­lich, opfer­be­reit und kom­pro­miss­los. Sei­ne Leh­re wies alle Merk­ma­le auf, die zur dama­li­gen Zeit erfolgs­ver­spre­chend waren: Sie war unkom­pli­ziert, biblisch begrün­det und klar for­mu­liert und des­halb allen Men­schen zugäng­lich. (…) Was Cal­vin im Jahr 1548 an den Her­zog von Somerset schrieb, war tat­säch­lich schon 1536 (Anm. von mir: In die­sem Jahr erschien die ers­te Auf­la­ge sei­ner berühm­ten Insti­tu­tio) sei­ne Leh­re gewe­sen und soll­te auch 1564 noch sei­ne Leh­re sein (Anm. von mir: Todes­jahr Cal­vins) (…) Zwar schrieb Cal­vin spä­ter noch tau­sen­de von sei­ten mit aus­führ­li­che­ren Erör­te­run­gen hier­zu, aber tat­säch­lich fin­det sich in den Schrif­ten nichts mehr als das, was auch schon auf die­ser hal­ben DIN-A4-Sei­te for­mu­liert ist. Und das wur­de alles durch sei­nen an Idea­lis­mus gren­zen­den Opti­mis­mus getra­gen.“ (S.75 – 76)

Datei:Edward Seymour Duke of Somerset.jpg

Edward Sey­mour Duke of Somerset

Die popu­lä­re Dar­stel­lung Cal­vins, der auch erfolg­rei­che Schrift­stel­ler wie Ste­fan Zweig erla­gen, als die einen freud­lo­sen Zyni­kers und pes­si­mis­ti­schen Eigen­bröt­ler zeich­net, lässt sich nicht auf­recht­erhal­ten, wenn man die zahl­rei­chen Brie­fe Cal­vins stu­diert. Wir fin­den einen muti­gen, ehr­li­chen Chris­ten, der sei­ne Mit­men­schen ernst nimmt. Den Duke of Somerset ermu­tigt er, der Füh­rung Got­tes zu ver­trau­en, mutig das Evan­ge­li­um zu ver­kün­di­gen und in schwie­ri­gen Zei­ten aus­zu­har­ren:

„…näm­lich das wir Gott als ein­zi­gen Her­ren unse­rer See­le und sein Gesetz als ein­zi­ge Regel und geis­ti­ge Anlei­tung für unser Gewis­sen aner­ken­nen, so dass wir Ihm nicht gemäß aller­lei törich­ter mensch­li­cher Anord­nun­gen die­nen. Wei­ter, dass er auf sei­ne Art, im Geis­te und mit rei­nem Her­zen, ver­ehrt wer­den will. Ande­rer­seits erken­nen wir jedoch, dass wir im Inne­ren unse­lig sind, dass wir in all unse­rem Den­ken und Han­deln ver­dor­ben sind, so dass unser Herz ein Abgrund des Bösen ist. Dar­um ver­zwei­feln wir an uns selbst, wei­sen jeden Anspruch auf Weis­heit, Wür­de oder Fähig­keit zum Guten ab. Wir wen­den uns der Quel­le von allem Guten zu, das ist Jesus Chris­tus, und wir neh­men das an, was Er uns gibt, näm­lich die Ver­diens­te sei­nes Lei­dens und Ster­bens, damit wir dadurch die Ver­söh­nung mit Gott erfah­ren. Rein gewa­schen durch sein Blut, fürch­ten wir nun nicht mehr, dass wir auf­grund unse­rer Sün­den vor dem himm­li­schen Thron kei­ne Gna­de fin­den wer­den. In der Gewiss­heit, dass unse­re Sün­den durch Sein Opfer ver­ge­ben sind, fin­den wir Ruhe und Heils­si­cher­heit. Wir wer­den durch Sei­nen Geist gehei­ligt, um uns so gehor­sam der Gerech­tig­keit Got­tes zu wid­men. Gestärkt durch sei­ne Gan­de wer­den wir den Teu­fel, die Welt und das Fleisch über­win­den. Als Glie­der Sei­nes Kör­pers zwei­feln wir schließ­lich nicht dar­an, dass Gott uns zu sei­nen Kin­dern zählt und dass wir Ihn vol­ler Ver­trau­en als unse­ren Vater anru­fen dür­fen. Für uns ist es deut­lich, dass alles, was in der Kir­che gesagt und getan wird, auf die­ser Haupt­sa­che basiert, näm­lich dass wir der Welt ent­zo­gen und in den Him­mel hin­auf­fah­ren wer­den mit unse­rem Haupt und unse­rem Hei­land“

Eini­ge Jah­re spä­ter gelangt Maria I Tudor an die Macht und hin­ter­lässt eine blu­ti­ge Spur im eng­li­schen Pro­tes­tan­tis­mus. Trost und „gute Unter­wei­sung“ haben die Pro­tes­tan­ten Eng­lands also mehr als nötig gehabt.

Tal der Liebe

"ein Nichts bist du, nichts weiter als ein Nichts"

Tal der Liebe Gün­ther wird mit gro­ßen kör­per­li­chen Pro­ble­men in der Zeit des ers­ten Welt­krie­ges gebo­ren. Das ist eine Zeit, in der man kaum Zeit und Muße für die Schwächs­ten der Gesell­schaft besitzt. Das Urteil der Mit­men­schen, auch derer, die ihm hel­fen soll­ten, steht somit fest: „Der taugt zu nichts“. Die Mut­ter ist mit ihm über­for­dert und der Vater hat für ihn kei­ne Zeit. Die Oma „küm­mert“ sich um sei­ne Betreu­ung. Aber sie schämt sich sei­ner der­art, dass sie ihn in ein Zim­mer sperrt. Somit kann Gün­ther auch mit 6 Jah­ren noch kei­nen Laut von sich geben. Man schreibt ihn, nicht nur als kör­per­li­chen Krüp­pel, ab.  Als es Oma zu viel wird, lan­det der Jun­ge in Bethel. Hier erfährt Gün­ther zum ers­ten Mal Zuwen­dung, die uner­war­tet und zügig Früch­te bringt. Bald schon stellt sich her­aus, dass er ‚im Kopf“ völ­lig gesund ist, ja gera­de zu über­eif­rig dabei ist, etwas Neu­es zu ler­nen. Zunächst im Heim für Geis­tig-Behin­der­te unter­ge­bracht, hört Gün­ther zum ers­ten Mal das Evan­ge­li­um. Bodel­schwingh und sei­ne Mit­ar­bei­ter schä­men sich nicht der vie­len kör­per­lich und geis­tig Behin­der­ten und ver­kün­di­gen die­sen das Evan­ge­li­um auf eine Wei­se, dass es auch die „dumpfs­ten Geis­ter erreicht“. Der wache Geist Gün­thers ist schnell erreicht. Ers­te Fra­gen tau­chen auf. Woher kommt die­ses gan­ze Elend? War­um hat „alles einen Knacks“. Zum Glück erfährt er die Nähe des Wer­kes Chris­ti am Kreuz, das Bodel­schwingh so erklärt, dass selbst „hoff­nungs­lo­se“ Fäl­le das Evan­ge­li­um ver­ste­hen. Behin­der­te und Krüp­pel loben Gott und erle­ben eine tie­fe Freu­de, die vie­len ver­bor­gen bleibt, die nicht „zu die­sem Abschaum“ gehö­ren. Berech­tigt weißt die Autorin dar­auf hin, dass unklar bleibt, wer denn nun die wirk­lich Ver­rück­ten sind: Die im Heim, oder die außer­halb ? Wei­ter­le­sen

„Ich finde, du solltest nicht so viel Theologie lesen“

Mit Lord Peter Wimsey in England

Was liest man, wenn man in West­eng­land unter­wegs ist? Nun ich emp­fand Lord Peter Death Bre­don Wim­sey als die rich­ti­ge Wahl. Doro­thy L. Say­ers  (vgl. auch zahl­rei­che Bei­trä­ge von hanniel.ch zu Say­ers Werk) aller ers­ter Roman „Der Tote in der Bade­wan­ne“ (auch „Ein Toter zu wenig“) hat mir beson­ders gut gefal­len. Say­ers lässt Detek­tiv Par­ker zur Ent­span­nung einen Kom­men­tar zum Gala­ter­brief lesen. Fan­tas­tisch! Tat­säch­lich hat Say­ers ihr christ­li­ches Bekennt­nis nie ver­schwie­gen, was man in ihrem Werk regel­mä­ßig sieht. Ihr Werk lebt von einer ehr­li­chen aber auch selbst iro­ni­schen Ana­ly­se Britta­ni­ens zwi­schen den  zwei Welt­krie­gen. Eini­ge Zita­te:

Wim­sey hat offen­sicht­lich Geld­res­sour­cen ohne Ende für sein Hob­by, und einen Die­ner, der aber eher wie ein väter­li­cher Freund agiert: „„Hier bin ich, Mylord“, ant­wor­te­te Mr. Bun­ter mit respekt­vol­lem Tadel, „aber wenn Sie mir die Bemer­kung gestat­ten…““

Dass der bri­ti­sche Adel oft mehr Schein als Sein bot, ver­schweigt Say­ers nicht: „Die Unter­hal­tung schlepp­te sich müh­sam dahin, bis der Ehren­wer­te Fred­dy eine Grä­te im See­zun­gen­fi­let ent­deck­te und den Ober­kell­ner kom­men ließ, um sich ihr Vor­han­den­sein erklä­ren zu las­sen.“

So argu­men­tiert übri­gens ein Unter­su­chungs­rich­ter, der einen vol­len Raum „lüf­ten lässt“: „Das lös­te eini­ge Bewe­gung und den einen oder ande­ren Miss­fal­lens­ruf aus, was der Unter­su­chungs­rich­ter jedoch mit dem gestren­gen Hin­weis unter­band, dass ein unge­lüf­te­ter Saal bei der zur Zeit wie­der umge­hen­den Grip­pe eine Todes­fal­le sei“

Der sel­be Rich­ter redet zwi­schen den Zei­len „Er ent­ließ sie dann mit der unaus­ge­spro­che­nen Ermah­nung, sich ein biss­chen zu beei­len.“

Das Lesen des Gala­ter­briefs wirk­te wohl auch unbe­wusst bei Inspek­tor Par­ker: „Mr. Par­ker gab einen ermu­ti­gen­den Laut von sich, der unter Lai­en die Funk­ti­on des pries­ter­li­chen „Ja, mein Sohn?“ hat“ 

Neben die­ser Ästhe­tik des Schreib­stils über­zeugt auch der Plot. Man erkennt schon bald, wer der Mör­der ist, doch wie soll man ihn bloß über­füh­ren? Zudem ist zumin­dest hier im Früh­werk Lord Peter alles ande­re als ein tadel­lo­ser und voll­kom­men ent­wi­ckel­ter Detek­tiv im Sin­ne eines Sher­lock Hol­mes und ver­folgt auch mal eine fal­sche Spur.

Mit Lyndal Roper im Gespräch

Ein Interview mit der Historikerin und Luther-Biographin

© urhe­ber­recht­lich geschützt

Lyn­dal Roper ist eine aus­tra­li­sche His­to­ri­ke­rin, die in Groß­bri­tan­ni­en lehrt.  Ihr For­schungs­schwer­punkt ist die deut­sche Kultur‑, Reli­gi­ons- und Sozi­al­ge­schich­te der frü­hen Neu­zeit mit beson­de­rer Hin­sicht auf Geschlech­ter­rol­len, Kör­per­ge­schich­te, Sexua­li­tät und Hexen­ver­fol­gung. (aus Wiki­pe­dia). Ich las ihre Luther-Bio­gra­phie und war sehr ange­tan von der Prä­zi­si­on und Tief­grün­dig­keit der Dar­stel­lung ange­tan. Somit war ich dank­bar für die Mög­lich­keit des Inter­views. Roper ver­öf­fent­lich­te 2017 eine tief­grün­di­ge Bio­gra­phie über die kom­ple­xe Per­sön­lich­keit Luthers: Mar­tin Luther — Rene­ga­de and Pro­phet (wört­lich: Abtrün­ni­ger und Pro­phet). Roper nahm sich Zeit um auf mei­ne Fra­gen ein­zu­ge­hen. 

 

S.P.: Prof. Roper, vie­le Ihrer Bücher han­deln über Hexen und ihre Ver­fol­gung. Gibt es eine ech­te Ver­bin­dung zwi­schen Hexen und Luther?

L.R.: Ich emp­fand es als sehr erfri­schend an Luther zu arbei­ten, nach dem ich nun so lan­ge so viel Zeit in Hexen und ihre Ver­fol­gung inves­tiert habe. Natür­lich glaub­te Luther dar­an, dass Hexen wirk­lich exis­tier­ten, jedoch besaß er kei­ne „Hexen-Jäger“- Men­ta­li­tät. Wenn er krank war und an Kopf­schmer­zen oder Ver­stop­fung litt, gab er nicht den Hexen die Schuld, son­dern dem Teu­fel. Tat­säch­lich bestand er dar­auf, dass die­se Atta­cken bewei­sen, dass er auf Chris­ti Sei­te steht, denn er war wür­dig von Satan ange­grif­fen zu wer­den. Ich emp­fand die­se robus­te Gewiss­heit als Erlö­sung, nach­dem ich jah­re­lang an Hexen­jä­gern gear­bei­tet hat­te, die ent­schlos­sen waren, Frau­en und Män­ner zu fol­tern und zu ver­hö­ren, von denen sie glaub­ten, dass sie ihnen Scha­den zufü­gen wür­den.

Wenn man als His­to­ri­ke­rin an einem Hexen­pro­zess arbei­tet, hat man nur die Auf­zeich­nun­gen des Ver­hörs.  Die ange­klag­te Per­son nimmt man dann nur für einen ein­zi­gen Moment der Zeit auf. Kei­ner weiß, wie sie wirk­lich waren. Bei Luther jedoch, konn­te ich sei­nem gan­zen Leben fol­gen, ich konn­te sehen, was ande­re über ihn schrie­ben, ich konn­te sei­ne eige­ne Schrif­ten lesen, sei­ne Gesprä­che zu Tisch und sein Inter­agie­ren mit Ande­ren durch sei­ne Brie­fe. Und ich wuss­te auch, wie er aus­sieht, denn Cra­nachs Werk­statt hin­ter­ließ eine ganz beein­dru­cken­de Rei­he an Bil­dern. Wei­ter­le­sen

„Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Philosophen und Gelehrten.“

Blaise Pascals Mémorial

Pascal_BlaiseBeein­druckt bin ich von der mys­ti­schen Erfah­rung Pas­cals, die er in einem Memo­ri­al fest­hielt, wel­ches er in das Fut­ter sei­nes Rockes ein­ge­näht hat­te. Erst nach sei­nem Tode, ent­deck­te ein Die­ner die­se zufäl­lig:

„Jahr der Gna­de 1654 Mon­tag, den 23. Novem­ber, Tag des hei­li­gen Kle­mens, Papst und Mär­ty­rer, und ande­rer im Mar­ty­ro­lo­gi­um.
Vor­abend des Tages des hei­li­gen Chry­so­go­nos, Mär­ty­rer, und ande­rer.
Seit unge­fähr abends zehn­ein­halb bis unge­fähr eine hal­be Stun­de nach Mit­ter­nacht
Feu­er
Gott Abra­hams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Phi­lo­so­phen und Gelehr­ten.
Gewiss­heit, Gewiss­heit, Emp­fin­den: Freu­de, Frie­de. Der Gott Jesu Chris­ti.
Deum meum et Deum vestrum.
Dein Gott ist mein Gott.
Ver­ges­sen der Welt und aller, nur Got­tes nicht.
Er ist allein auf den Wegen zu fin­den, die das Evan­ge­li­um lehrt.
Grö­ße der mensch­li­chen See­le Gerech­ter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber ken­ne dich.
Freu­de, Freu­de, Freu­de, Freu­den­trä­nen.
Ich habe mich von ihm getrennt.
Der­eli­quer­unt me fon­tem aquae vivae.
Mein Gott, wirst du mich ver­las­sen?
Möge ich nicht auf ewig von ihm getrennt sein.
Das ist aber das ewi­ge Leben, dass sie dich, der du allein wah­rer Gott bist, und den du gesandt hast, Jes­um Chris­tum, erken­nen.
Jesus Chris­tus!
Jesus Chris­tus!
Ich habe mich von ihm getrennt, ich habe mich ihm ent­zo­gen, habe ihn geleug­net und gekreu­zigt.
Möge ich nie­mals von ihm getrennt sein.
Er ist allein auf den Wegen zu bewah­ren, die im Evan­ge­li­um gelehrt wer­den. Voll­kom­me­ne Unter­wer­fung unter Jesus Chris­tus und mei­nen geist­li­chen Füh­rer.
Ewi­ge Freu­de für einen Tag der Mühe auf Erden.
Non obli­vis­car ser­mo­nes tuos. Amen.“

Wei­ter­le­sen

Verlegene Verleger

„Bei erneu­ter Durch­sicht habe ich jetzt den Text für die­se vier­te Auf­la­ge gekürzt, weil wir uns in unse­rer schnell­le­bi­gen Zeit von knapp gefaß­ten Aus­sa­gen eher anspre­chen las­sen“ (Vor­wort von Ger­da Zott­mai­er zur vier­ten revi­dier­ten Auf­la­ge von „Durch den Glau­ben“ von Ernst Moder­sohn)

„…(Sei­ne Wer­ke) sind so ver­traut, dass ich mei­ne, ihn selbst noch zu hören, wenn ich mich in sei­ne Wer­ke ver­tie­fe und sie so für den Druck vor­be­rei­te, dass nur her­aus­ge­nom­men wird, was noch zu sehr dem Stil des Ent­ste­hungs­jah­res (1910) ent­spricht und dar­um man­chem heu­te nicht mehr ganz ver­ständ­lich ist. “ (Erneut ein Vor­wort von Ger­da Zott­mai­er, dies­mal zur 3. Auf­la­ge des Wer­kes „Ein geseg­ne­tes Leben“ von Ernst Moder­sohn“)

Nun, ehr­lich gesagt ist es durch­aus tröst­lich zu hören, dass selbst sei­ne größ­ten För­de­rer Moder­sohn für einen eher lang­wei­li­ge Autor hiel­ten. Jetzt weiß ich auch end­lich, war­um kei­ne sei­ner Wer­ke mehr auf­ge­legt wer­den. Die Zeit ist noch schnell­le­bi­ger gewor­den, und nun wur­de sein Werk so weit gekürzt, dass nichts mehr übrig bleibt. Dabei wür­de der inter­es­sier­te Leser ja durch­aus wis­sen wol­len, was den „zu sehr dem Ent­ste­hungs­jahr“ ent­spricht, und was „heu­te nicht mehr ganz ver­ständ­lich ist“. Man kann jetzt natür­lich anti­se­mi­ti­sche Aus­sa­gen Moder­sohns ver­mu­ten, die man nun lie­ber nicht mehr gedruckt sehen möch­te. Aber letz­ten Endes blei­be ich als Leser der Ent­schei­dung des Ver­le­gers aus­ge­lie­fert. Ich bekom­me  nicht mit, was denn  „nicht mehr ganz ver­ständ­lich ist“. Beach­tet auch das „man­chem“. Die meis­ten also wür­den dass immer noch ver­ste­hen, aber es gebe womög­lich irgend­wo in einem Win­kel einer Groß­stadt irgend­je­man­den, der Moder­sohn nicht mehr ver­ste­hen wür­de? Und mit der Kür­zung wur­de das bes­ser? Die Anzahl heu­ti­ger Auf­la­gen der „ange­pass­ten Wer­ke“ Moder­sohns spricht hier eine ande­re Spra­che. Ach Ger­da… Wei­ter­le­sen

Wilhelm Busch über Christus im AT

Erneut erschüt­tert las ich vor kur­zem zum wie­der­hol­ten Male die­sen Text von Wil­helm Busch! Welch har­ter Kampf hier statt­fand! Wie kämp­fen wir heu­te um die Kraft des übena­tür­li­chen Wor­tes Got­tes?

Als ich – ein jun­ger Theo­lo­ge – die Uni­ver­si­tät ver­ließ, hat­te ich in den Vor­le­sun­gen über das Alte Tes­ta­ment gelernt, dass man in den fünf Büchern Mose ver­schie­de­ne Quel­len fest­stel­len kön­ne: den Jah­wist und den Elo­hist … Ich hat­te ältes­te und jün­ge­re Bestand­tei­le unter­schei­den gelernt … Ich hat­te gehört, dass es einen ers­ten und einen zwei­ten Jesa­ja gäbe … Man hat­te  mir  gezeigt,  wie  man  die  »unter­christ­li­che Fröm­mig­keit« des Alten Tes­ta­ments von der »Leh­re Jesu« unter­schei­den kön­ne … Kurz  –  das  Alte  Tes­ta­ment  war  ein  höchst zwei­fel­haf­tes  Erzeug­nis  reli­giö­ser  jüdi­scher Lite­ra­tur.  So  ent­ließ  mich  die  Uni­ver­si­tät  in eine gro­ße Gemein­de als »Pre­di­ger des Wor­tes Got­tes«. »Wort Got­tes«?! War das Alte Tes­ta­ment »Wort Got­tes«? Man hat­te uns gesagt, das Alte Tes­ta­ment sei für uns gül­tig, »soweit es Chris­tum trei­be«.  Nun  schön!  Aber  –  was  »trieb  denn hier Chris­tum«? Selbst das gro­ße Kapi­tel Jesa­ja 53 war ja – wie man uns gesagt hat­te – gar nicht eine mes­sia­ni­sche Ver­hei­ßung, son­dern es wur­de hier »die Idee des stell­ver­tre­ten­den Lei­dens« aus­ge­spro­chen. Wei­ter­le­sen

10+1 Fragen an Bernhard Kaiser

Mit dem Leiter des Instituts für Reformatorische Theologie im Gespräch

Dr. habil., D.Th. (Univ. Stel­len­bosch) Bern­hard Kai­ser ist Grün­der und lang­jäh­ri­ger Lei­ter des Insti­tuts für Refor­ma­to­ri­sche Theo­lo­gie. Zudem ist er Autor zahl­rei­cher Wer­ke, dar­un­ter Chris­tus Allein und Refor­ma­to­risch Glau­ben. 2014 erschien der ers­te Band sei­ner Christ­li­chen Ethik

Zehn Fra­gen an Dr. habil., D.Th. Bern­hard Kai­ser

1. Wie kamen Sie dazu Bücher zu schreiben?

Es gehört zur Auf­ga­be eines aka­de­mi­schen Leh­rers, Bücher zu publi­zie­ren, und ich freue mich, dass ich es tun darf.

2. Ist aktuell ein Buchprojekt geplant?

Ja, Band 2 der Christ­li­chen Ethik

3. Nennen Sie uns ihre 3 Lieblingsbücher (neben der Bibel)?

Luther: Vom unfrei­en Wil­len

Augus­tin: Bekennt­nis­se

Klep­per: Der Vater

4. Welche Bücher / Welches Buch würden Sie nicht noch einmal lesen?

Unter vie­len ande­ren: Rawls: Eine Theo­rie der Gerech­tig­keit

5. In welchem Bereich sehen Sie die größte Not in der heutigen Christenheit und  wie könnte man da am besten einschreiten?

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Verlag: Voice of Hope

Eine Empfehlung

Ich stau­ne dar­über in welch kur­zer Zeit sich der Voice of Hope Ver­lag (im Fol­gen­den VoH) zu einem soli­den Lie­fe­ran­ten refor­ma­to­ri­scher Lite­ra­tur ent­wi­ckelt hat. Für alle, die VoH noch nicht ken­nen, ein kur­zer Über­blick:

Audio-Material:

Frieden mit Gott (CD)Ich den­ke VoH schafft es eine Stär­ke des russ­land­deut­schen evan­ge­li­ka­len Erbes zu bewah­ren, näm­lich die Musik-Arbeit.

Jeder, der Lie­der die vor allem von Con­tent geprägt sind, sucht, wird hier schnell fün­dig. Für Zweif­ler besteht die Mög­lich­keit zu aus­führ­li­chen Hör­pro­ben, z. B. hier. Auch auf Spo­ti­fy habe ich die Pro­duk­tio­nen von VoH in mei­ner Play­list. Es ist bewun­derns­wert wel­che Qua­li­tät die meis­ten Musik­stü­cke auf­wei­sen, wenn man bedenkt, dass die meis­ten Musi­ker und Sän­ger Lai­en sein wer­den. Das Audio­ma­te­ri­al wird in letz­ter Zeit zudem zuneh­mend um Hör­bü­cher erwei­tert (z. B.: Serie Glau­bens­vor­bil­der).

Das kraftvolle Evangelium (Band 1)Offen­sicht­lich ist die Wahr­schein­lich­keit deut­lich höher refor­ma­to­risch zu den­ken, wenn man John mit Vor­na­men heißt. unab­hän­gig davon, leg­te VoH in Kur­zer Zeit klas­si­sche Wer­ke wie „Was jeder Christ wis­sen muss“ von John Owen ( Zum Größ­ten Teil der Text von „Mor­ti­fi­ca­ti­on of Sin“) oder „Gna­de im Über­fluss“ von John Bun­yan auf.  Beach­tens­wert sind zudem die zahl­rei­chen Über­set­zun­gen der Wer­ke von John MacAr­thur oder Peter Mas­ters. Posi­tiv neh­me ich zudem die Mög­lich­keit auf, die ver­lags­ei­ge­nen Aus­ga­ben im VoH-Shop ver­sand­kos­ten­frei zu bestel­len. Zudem wer­den refor­mier­te Wer­ke hol­län­di­scher Her­kunft über­setzt, z. B. die­se Kin­der­bi­bel von van Wijk. Wer weiß, viel­leicht gibt es ja in eini­gen Jah­ren auch Wer­ke Kuy­pers oder Bavincks?

Ins­ge­samt bin ich dank­bar dafür, dass die refor­ma­to­ri­sche Lite­ra­tur-Land­schaft in Deutsch­land um einen kon­ser­va­ti­ven und äußerst pro­duk­ti­ven Ver­lag berei­chert wur­de.

Der Tempel aller Zeiten

Biblische Studien von Gregory Beale

Heu­te wie­der eine Gast­re­zen­si­on:

Ein Bru­der emp­fahl mir „Der Tem­pel aller Zei­ten“, als er mein Inter­es­se am The­ma bemerk­te. Seit ich „Der Mes­si­as im Tem­pel“ von Roger Lie­bi gele­sen hat­te, lese ich die Bibel mit ande­ren Augen und erwei­ter­tem Hori­zont. Hin­zu kamen eige­ne ‒ frei­lich beschei­de­ne­re ‒ Stu­di­en hin­zu, die mei­nen Blick wei­ter schärf­ten. Ein grund­le­gen­des Inter­es­se an der Mate­rie ist also von Vor­teil, möch­te man das Buch in die Hand neh­men. Wei­ter­le­sen