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Die kleine Seelsorgereihe

eine Auswahl

Wer das CCEF auch nur ober­fläch­lich ver­folgt, erfährt welch groß­ar­ti­ge Arbeit Welch, Tripp und bis zu sei­nem viel zu frü­hen Tod Powli­son im Bereich der Seel­sor­ge geleis­tet haben. Gott gab ihnen Gna­de, dass Seel­sor­ge wie­der zum Dienst der Gemein­de an ihren Glie­dern, zur Hil­fe von Christ am Mit­christ wird. Vor allem, die Neu­ent­de­ckung des Kampf­platz des Her­zens dürf­te refor­mier­te Theo­lo­gie in einer fein­füh­li­gen Anwen­dung sein. Prak­tisch bedeu­tet es, dass man Lei­den­de, Trau­ern­de, Depres­si­ve, Schi­zo­phre­ne, Por­no­süch­ti­ge, Men­schen mit Wahn­vor­stel­lun­gen, Ängs­ten, Zwän­gen und aller Nöte, die es sonst geben kann, zum Kreuz Chris­ti führt und nicht ein­fach nur mit blo­ßen Plat­ti­tü­den (oder schlim­mer, einem Ver­weis auf den Ner­ven­arzt) abspeist. Tat­sa­che ist: Wird man mit Lei­den unse­rer Geschwis­ter und Freun­de kon­fron­tiert, dann liegt zwar tat­säch­lich ein schnel­ler Rat auf der Zun­ge, im Sin­ne von: „Stell dich nicht so an!“, „Oh, du Arme!“, „Mach doch ein­fach das und das.…“, „So schlimm ist das nicht, habe ich auch gehabt“. Doch genau sol­che Rat­schlä­ge erteilt dir schließ­lich auch jeder belie­bi­ge Mensch, denn du zufäl­lig aus dem Tele­fon­buch wäh­len wür­dest. Das es bes­ser gehen muss, wird schnell klar. Mit der zahl­rei­chen Lite­ra­tur, die der 3L Ver­lag schon seit Jah­ren in die­sem Bereich her­aus­gibt, ist bereits gutes Mate­ri­al gege­ben. Mit der klei­nen Seel­sor­ge­rei­he ist nun wei­te­res inter­es­san­tes Mate­ri­al dazu­ge­kom­men: 24 Heft­chen, die sich auch gut als Ver­teil- oder Aus­le­ge­ma­te­ri­al für Bera­tungs­stel­len und Gemein­den eig­nen. Ich habe ein paar gele­sen:

  • Por­no­gra­fie — Sieg über den Dra­chen: Die­ses Heft­chen eig­net sich sehr gut, zur Wei­ter­ga­be, an Betrof­fe­ne, da es ein Inter­view zwi­schen Powli­son und einem Bru­der ist, der über 20 Jah­re lang mit der Por­no­gra­phie kämpf­te. Sehr ehr­lich und ergrei­fend schil­dert der Bru­der, wie Gott sein böses Herz ent­tarn­te
  • Hei­lung nach Ehe­bruch: Sowohl der Täter, wie das Opfer benö­ti­gen Erlö­sung, um nicht in Gier, Unzu­frie­den­heit, Schuld, Ver­zweif­lung, Scham oder Rache unter­zu­ge­hen.
  • Häus­li­che Gewalt: Die Situa­ti­on ist ver­zwickt: „Paa­re, die in der Öffent­lich­keit fried­lich zusam­men auf den Kir­chen­bän­ken sit­zen, könn­ten trotz­dem im Streit mit­ein­an­der lie­gen. (.…) bei die­ser Art Krieg fin­den wir auf bei­den Sei­ten Schuld; doch wenn Gewalt im Spiel ist, unter­drückt übli­cher­wei­se der stär­ke­re Mann sei­ne Frau“. Das Buch deckt die ver­zwick­ten Irr­we­ge der Selbst­recht­fer­ti­gung im Den­ken des Aggres­sors geschickt auf.
  • Eine Trau­me­he: „Hören Sie auf mir zu sagen, dass Gott mich liebt! Ich will hören, dass mein Mann mich liebt“ gestand eine Frau dem Seel­sor­ger. Auch in einer kaput­ten Ehe kann man Freu­de fin­den.
  • Teens und Sex: Tripp deckt zurecht auf, dass die Kir­che hier ver­sagt, dem star­ken säku­la­ren Sog ent­ge­gen­zu­tre­ten und bespricht in Kür­ze zahl­rei­che Stra­te­gi­en zum Ein­lei­ten von Gegen­maß­nah­men.

Ein Heft ist in etwas mehr als einer hal­ben Stun­de durch­ge­ar­bei­tet und somit eig­nen sich die­se Hef­te sehr gut als „Gute-Nacht-Lek­tü­re“ vor dem Schla­fen­ge­hen. Die Aus­wahl und Band­brei­te ist zudem für viel­fäl­ti­ge Lebens­be­rei­che (z.B.: Leid, ADHS, Selbst­ver­let­zung, Ver­ge­bung…) aus­ge­legt, was die Bücher sehr nütz­lich macht. Ich ver­mis­se einen (ent­spre­chend kos­ten­güns­ti­ge­ren) Gesamt­band, der als eine Art Hand­buch der Seel­sor­ge rea­li­siert ist. Dies könn­te auch als Logos-Modul erfol­gen.

Ein letz­ter Hin­weis: Wenn du dich selbst in einer schwie­ri­gen Situa­ti­on befin­dest und Rat und Hil­fe suchst, ermu­ti­ge ich dich, dir Unter­stüt­zung und Gebet in der Gemein­de und bei Chris­ten zu suchen. Ger­ne darfst du mich auch unter pau­li @ glaubend.de  oder auch auf ande­ren Wegen kon­tak­tie­ren.

 

Neuanfang — von David Powlison

Nach sexuellen Verletzungen die Freude wiederfinden

- Im Fol­gen­den eine Rezen­si­on von mei­nem Freund und Bru­der Vik­tor, der mir die Geneh­mi­gung erteilt hat, die­se Bespre­chung auch hier zu ver­öf­fent­li­chen. Wie Vik­tor rich­tig hin­weist, hat das Buch eine weit­aus grö­ße­re Ziel­grup­pe als Opfer sexu­el­ler Über­grif­fe. Für mich per­sön­lich war es in vie­len Berei­chen eine Hil­fe­stel­lung — 

Ich möch­te in die­sem Arti­kel ein Buch von David Powli­son emp­feh­len, in dem es sowohl um sexu­el­le Über­tre­tung als auch um das dadurch ent­stan­de­ne Leid geht:

Man­che Bücher sind mit der Absicht geschrie­ben wor­den, Men­schen im Kampf gegen ihre unmo­ra­li­schen sexu­el­len Impul­se zu hel­fen. Ande­re Bücher ver­fol­gen das Ziel, Men­schen in ihrem Kampf gegen die Aus­wir­kun­gen von sexu­el­ler Untreue, Beläs­ti­gung und Gewalt zu hel­fen. Doch die­ses Buch soll bewusst in bei­de Rich­tun­gen bli­cken. Sün­de und Leid sind zwei grund­le­gend unter­schied­li­che Din­ge. Was Sie tun und was Ihnen geschieht, könn­te nicht unter­schied­li­cher sein. Doch bei­des ver­mischt sich in der DNA der mensch­li­chen Natur. Alle mensch­li­che Erfah­rung ist von einer Dop­pel­he­lix der Fins­ter­nis durch­zo­gen. Die meis­ten Bücher über sexu­el­le Hei­li­gung behan­deln das Pro­blem der Sün­de und wid­men sich höchs­tens am Ran­de den äuße­ren Kräf­ten, die ver­lo­cken oder quä­len. Und in den meis­ten Büchern für Opfer sexu­el­ler Gewalt geht es nicht um Hei­li­gung und nur am Ran­de um unse­ren instink­ti­ven Unglau­ben und unse­ren Impuls, falsch zu reagie­ren, wenn uns schwe­res Unrecht ange­tan wur­de. Doch in der Hei­li­gung geht es sowohl um Über­tre­tun­gen als auch im Leid, sowie um deren per­ma­nen­tes Wech­sel­spiel. Das ist von ent­schei­den­der Bedeu­tung denn es trifft sowohl auf die Bibel wie auf das Leben zu. Sei­te 17f

Wen betrifft das Thema?

Als ich das Buch zum ers­ten Mal in der Hand hielt, dach­te ich zunächst, dass mich das The­ma nicht wirk­lich betrifft. Doch je mehr ich las, des­to mehr wur­de mir klar: das The­ma berührt auf die eine oder ande­re Art fast jeden Men­schen. Der Kampf spielt sich näm­lich auf den ver­schie­dens­ten Ebe­nen ab, bei man­chen sehr offen­sicht­lich, bei ande­ren sub­ti­ler, fast unbe­merkt. Wei­ter­le­sen

„Wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht…“

Ist das Gehirn schuld? von Ed Welch

„Dar­um las­sen wir uns nicht ent­mu­ti­gen; son­dern wenn auch unser äuße­rer Mensch zugrun­de geht, so wird doch der inne­re Tag für Tag erneu­ert“ („2. Kor 4,16). Das lesen der Bücher von Welch oder Powli­son erin­nert mich regel­mä­ßig an die Puri­ta­ner. War­um? Ähn­lich wie die Puri­ta­ner krei­sen die­se sehr lan­ge und inten­siv um ein­zel­ne weni­ge Bibel­ab­schnit­te. Etwas was ich zunächst als läs­tig und über­flüs­sig emp­fand, emp­fin­de ich nun zuneh­mend als hilf­reich. War­um? Weil es mir hilft in ers­ten über­wäl­ti­gen­den Situa­tio­nen den Über­blick zu behal­ten und einen Start­punkt zu haben: Es kommt jemand auf dich zu und über­schüt­tet dich mit einer Not­si­tua­ti­on, z.B. den Bericht über ADHS. In Kür­ze kom­men eine Men­ge viel­schich­ti­ger Pro­ble­me auf einen zu, so dass man kaum noch klar sehen kann. Sich in einer sol­chen Situa­ti­on an eine Schrift­stel­le fest­hal­ten zu kön­nen, ist wie die Erobe­rung eines Stück­chen „Lin­sen­feld“ (2. Sam. 23,11) in all dem Cha­os.

Dabei bie­tet das Buch von Welch weit­rei­chen­de Hil­fe für sehr unter­schied­li­che Situa­tio­nen. Vor allem sei­ne kon­se­quen­te Ver­tei­di­gung der bibli­schen Dicho­to­mie dürf­te eine not­wen­di­ge Hand­rei­chung sein. Die Unter­schei­dung zwi­schen kör­per­li­chen Gebre­chen und der Sün­de des Her­zens hält der Autor kon­se­quent durch:

„Was ist mit ande­ren Sym­pto­men, wie zum Bei­spiel Hal­lu­zi­na­tio­nen? Offen­ba­ren sie ein geis­ti­ges Pro­blem, ein kör­per­li­ches Pro­blem oder gar bei­des? Um die­se Fra­ge zu beant­wor­ten, wen­den Sie ein­fach einen Test an: Ver­bie­tet die Bibel Hal­lu­zi­na­tio­nen? Die kla­re Ant­wort ist: Nein. Des­we­gen ver­ur­tei­len wir die­se Men­schen nicht, son­dern drü­cken ihnen unser Mit­ge­fühl aus. Selbst wenn eini­ge durch ihre Hal­lu­zi­na­tio­nen in Sün­de fal­len oder die Hal­lu­zi­na­ti­on durch Sün­de, etwa das Ein­neh­men von Dro­gen, ent­stan­den ist: Hal­lu­zi­na­tio­nen für sich genom­men sind kei­ne Sün­de. Sie sind Ergeb­nis einer kör­per­li­chen Schwä­che“ (S. 39)

War­um erschre­cken wir als Chris­ten oft mehr vor der Hal­lu­zi­na­ti­on (oder ähn­lich: Schi­zo­phre­nie) mehr, als vor der Hilfs­be­dürf­ti­gen des Men­schen. Ich fürch­te Schi­zo­phre­ni­ker wird man in kon­ser­va­ti­ven Krei­sen sel­ten mit dem Kreuz Chris­ti trös­ten, son­dern die­sen eher sogar die Tau­fe ver­sa­gen und sie erst­mal in einen Exor­zis­mus-Zyklus füh­ren. Auch dabei dürf­te die Ursa­che dar­in lie­gen, dass man nicht zwi­schen Sün­de (des Her­zens) und Schwä­che (des Lei­bes) unter­schei­det.

Welch bespricht in sei­nem Buch unter­schied­li­che Kate­go­ri­en soge­nann­ter zere­b­ra­ler Pro­ble­me aus Sicht der Bibel. Die­se unter­schei­det er in drei Kate­go­ri­en: Kla­re Fehl­funk­ti­on des Gehrns (Alz­hei­mer, Demenz und Kopf­ver­let­zun­gen), Mög­li­che Fehl­funk­ti­on des Gehirns (Depres­sio­nen und ADS/ADHS) und kei­ne Fehl­funk­ti­on des Gehirns (Homo­se­xua­li­tät und Alko­ho­lis­mus). Im Umgang mit Men­schen, die von einer kla­ren Fehl­funk­ti­on des Gehirns betrof­fen sind, habe ich mich dabei ertappt, dass ich nicht bereit bin, mit der nöti­gen Rück­sicht auf sol­che Leu­te zu zuge­hen. Ich wür­de davon aus­ge­hen, dass ich kein wei­te­res Mate­ri­al, kei­ne wei­te­re Unter­stüt­zung benö­ti­gen wür­de, um z.b. mit einem Demenz-Kran­ken klar zukom­men. Die­se ver­meint­li­che Sicher­heit ist aber eher auf Selbst­über­schät­zung zurück­zu­füh­ren.

Das Buch ist von zahl­rei­chen Pra­xis-Bei­spie­len durch­zo­gen. Beein­druckt hat mich, wie die beschrie­be­nen Fol­gen nach einer Kopf­ver­let­zung nahe­zu genau so auch in unse­rem fer­nen Freun­des­kreis erlebt wur­den. Die­se her­aus­for­dern­den Situa­tio­nen benö­ti­gen viel Unter­stüt­zung, auch von Gemein­de und Ver­wand­ten und Freun­den. Man soll­te nicht ein­fach so wei­ter­ma­chen wie bis­her.

In einem ande­ren Fall beschreibt Welch sehr ein­drück­lich, wie eine von Depres­sio­nen betrof­fe­ne Schwes­ter sich an die­sen fest­klam­mer­te, weil sie ihre Art der Selbst­süh­ne waren. In sol­chen Momen­ten wird der Kampf­platz des Her­zens in beson­de­rer Wei­se offen gelegt. In einem ande­ren Fall ist der Ver­weis auf eine Auf­merk­sam­keits­stö­rung ein ange­neh­mes Mit­tel der Selbst­recht­fer­ti­gung. Reagiert man hier nur mit bio­lo­gi­schen Lösun­gen, wird weder die eigent­li­che Not der Betrof­fe­nen gelöst, noch wirk­lich der Hei­li­gung nach­ge­jagt (Man erin­nert sich wie­der an die obi­ge Bibel­stel­le). Aus­ge­wo­gen­heit ist gefor­dert:

Es ist ein Unter­schied, ob Sie ihrem Kind sagen: „Räum dein Zim­mer auf!“ oder „Schlag dei­nen Bru­der nicht!“ Das Kind hat ein Gewis­sen und weiß intui­tiv, dass es ande­re auch in sei­ner Wut nicht schla­gen darf. Sol­ches Ver­hal­ten ist sogar dann noch falsch, wenn die Eltern nicht sagen: „Schlag ihn nicht!“ Aber das Kind hat kein Gewis­sen, das ihm sagt, es sei mora­lisch ver­werf­lich, ein unauf­ge­räum­tes Zim­mer zu hin­ter­las­sen. Eigent­lich ist das unauf­ge­räum­te Zim­mer eine Ver­let­zung des Gebo­tes, sei­nen Eltern zu gehor­chen, doch in man­chen Fäl­len ist Unge­hor­sam nicht die pas­sen­de bibli­sche Kate­go­rie. Ver­ständ­nis für das Herz des Kin­des könn­te auf eine kör­per­li­che Beschrän­kung (zum Bei­spiel Gedächt­nis­pro­ble­me) oder Unwis­sen­heit hin­wei­sen und nicht auf geist­li­che Rebel­li­on. Es gibt kei­ne Ent­schul­di­gung für Sün­de wie Wut und lieb­lo­ses Ver­hal­ten, aber manch­mal gibt es eine Ent­schul­di­gung für ein nicht auf­ge­räum­tes Zim­mer.“ (S. 124)

In ähn­li­cher Wei­se warnt Welch davor, Homo­se­xu­el­le mit ober­fläch­li­chen Ant­wor­ten abzu­spei­sen:

„Die Homo­se­xu­el­len sind in einer heik­len Posi­ti­on: Sie leh­nen sich gegen den hei­li­gen Gott auf, aber ihnen ist in gewis­ser Wei­se bewusst, dass sie in Sün­de leben und sie haben Angst vor Got­tes Zorn (Röm 1.).  Sie glau­ben nicht, dass Gott sich dazu brin­gen lässt, ihnen wirk­lich zu ver­ge­ben. (…) Es gibt kei­nen wich­ti­ge­ren Fak­tor in der Ver­än­de­rung eines Homo­se­xu­el­len als den siche­ren Glau­ben, dass ihre oder sei­ne Sün­de von der tiefs­ten Wur­zel an ver­ge­ben wor­den sind.“ (S.156)

Trotz der der­art unter­schied­li­chen The­men ist es Welch gelun­gen, die­se eng zusam­men­zu­hal­ten. Die Ant­wor­ten auf all die­se Fra­gen ist immer noch nicht ein­fach, aber es gibt sie: „Sie sind vor­han­den, wenn wir tie­fer in der Schrift gra­ben und ver­su­chen, neue Anwen­dun­gen für alte Wahr­hei­ten zu ent­wi­ckeln. Eine liegt uns seit Jah­ren vor: Wir sind als Ein­heit von Geist und Kör­per geschaf­fen. Ihre Anwen­dung hat schlicht auf die­se und ähn­li­che Fra­gen gewar­tet.“ (S.183).

Es ver­wun­dert ent­spre­chend nicht, dass die deut­sche Über­set­zung die­ses Wer­kes bereits in vier­ter Auf­la­ge vor­liegt.

“ Welch süsser Tausch, welch unerforschliches Walten, welch unverhoffte Wohltat…“

Die Rechtfertigung aus Glauben allein im Brief an Dioklet

Faith Alone: Audio Lectures TitelbildIch höre der­zeit mit Genuss Tho­mas R. Schrei­ners Werk (von ihm selbst vor­ge­le­sen übri­gens): Faith Alo­ne, wel­ches ich via Audi­ble erwer­ben konn­te.

Schrei­ner fängt sein Werk mit einer Betrach­tung der his­to­ri­schen Ent­wick­lung der Leh­re von der Recht­fer­ti­gung durch den Glau­ben an. Für einen Pro­tes­tan­ten ist es hier­bei immer span­nend, wie die Kir­chen­vä­ter zu die­sem The­ma stan­den. Fas­zi­niert hat mich die­se Aus­sa­ge aus dem Brief des Mathe­tes an Dio­gne­tus. Der Ver­weis auf den süßen (oder fröh­li­chen) Tausch erin­nert an Mar­tin Luther. Hier fin­det sich die­ses Werk in der Biblio­thek der Kir­chen­vä­ter. Ins­ge­samt ist die­ses Schrei­ben als eine sehr frü­he christ­li­che Schrift­des 2 Jh. zu wer­ten. Die Idee die­ses Zitat zu struk­tu­rie­ren habe ich von Jus­tin Tay­lor von TGC.

Als aber das Mass unse­rer Unge­rech­tig­keit voll
und es völ­lig klar gewor­den war, dass als ihr Lohn Stra­fe und Tod uns erwar­te,

und als der Zeit­punkt gekom­men war,
den Gott vor­aus­be­stimmt hat­te,

um fort­an sei­ne Güte und Macht zu offen­ba­ren,
- o über­schweng­li­che Men­schen­freund­lich­keit und Lie­be Got­tes

- da

hass­te
und ver­stiess er uns nicht
und gedach­te nicht des Bösen,

son­dern

war lang­mü­tig und gedul­dig
und nahm aus Erbar­men selbst unse­re Sün­den auf sich;
er selbst gab den eige­nen Sohn als Löse­preis für uns,

den Hei­li­gen für die Unhei­li­gen,
den Unschul­di­gen für die Sün­der,
den Gerech­ten für die Unge­rech­ten,
den Unver­gäng­li­chen für die Ver­gäng­li­chen,
den Unsterb­li­chen für die Sterb­li­chen.

Denn was anders war imstan­de, unse­re Sün­den zu ver­de­cken als sei­ne Gerech­tig­keit?
In wem konn­ten wir Mis­se­tä­ter und Gott­lo­se gerecht­fer­tigt wer­den, wenn nicht allein im   Soh­ne Got­tes?

Welch süßer Tausch,
welch uner­forsch­li­ches Wal­ten,
welch unver­hoff­te Wohl­tat,

dass die Unge­rech­tig­keit vie­ler in einem Gerech­ten ver­bor­gen wür­de und die Gerech­tig­keit eines ein­zi­gen vie­le Sün­der recht­fer­ti­ge!

Grand Theft Logos

Persönliche Erfahrungen mit dem Bibelprogramm: "Logos"

Auf­grund der Coro­na-Situa­ti­on gibt es aktu­ell (aber wohl nicht mehr lan­ge) 30% auf alle Logos-Basis Pake­te (eng­lisch / deutsch). Das dürf­te ein recht guter Zeit­punkt sein, um mei­ne Erfah­run­gen mit Logos zu tei­len.

Warum nicht CLeVer?

Kurz: CLe­Ver ist wirk­lich toll. Für knapp 20€ bekommt man Eini­ges gebo­ten. Nur man bleibt dann ent­spre­chend im dis­pen­sa­tio­na­lis­ti­schen Umfang von CLe­Ver „gefan­gen“ (nicht wer­tend gemeint). In etwa ein ver­gleich­ba­rer Umfang dürf­te bei Logos das „Fun­da­men­tals“ Paket sein, wel­ches aktu­ell für 50$ zu haben ist. Natür­lich besitzt Logos vie­le groß­ar­ti­ge Soft­ware­funk­tio­nen, die vie­le ande­re Pro­gram­me nicht in die­ser Art bie­ten kön­nen. Mein per­sön­li­ches Kauf­kri­te­ri­um war und bleibt aber die umfang­rei­che Biblio­thek.

Taugt die Bibliothek was?

Im Lau­fe von knapp 1,5 Jah­ren ist mei­ne Logos Biblio­thek auf knapp 2000 Bän­de gewach­sen. In der Tat ist es so, das von den 2000 Wer­ken jetzt nicht jedes Werk ein groß­ar­ti­ges Meis­ter­werk ist. Man­che der Bücher hät­te man z.B. auf CCEL oder Moner­gism als e‑book kos­ten­los laden kön­nen. Als Bestand­teil einer durch­such­ba­ren Daten­bank ist aber auch jedes lizenz­freie Buch Gold wert. Nun kann ich durch­su­chen, wie Tho­mas Wat­son mit einem bestimm­ten Bibel­vers umge­gan­gen ist. Aber lasst uns einen tat­säch­li­chen Blick in die Biblio­thek wer­fen. Im Rah­men mei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Buch Rich­ter habe ich mir mal mei­ne Kom­men­ta­re zu die­sem Buch ange­schaut. Die­se wirk­lich erst­klas­si­gen Kom­men­ta­re fin­den sich dar­in:

Autor Kom­men­tar-Rei­he Preis (Ama­zon) für Neu­es „ana­lo­ges“ Buch
Dani­el Block NAC 33€
Cundall/Morris TOTC 24€
Mayes OTG ca. 8€
Schwab The Gos­pel accord­ing to the Old Tes­ta­ment 14,50€
Bel­d­mann THOTC 23,50€
Stone CBC (Josua, Rich­ter, Ruth) 38€

Nun ist Rich­ter wirk­lich nicht das Buch zu dem man vie­le Kom­men­ta­re fin­det. Die „buch­spe­zi­fi­schen“ Kom­men­ta­re, wer­den von Gesamt-Kom­men­ta­ren zum AT und NT ergänzt, z.B. von Bar­nes, Jamie­son oder Nicoll. Die­se Art von Kom­men­ta­ren gehö­ren aber zu sol­chen, die ich  per­sön­lich weni­ger ger­ne nut­ze. Schon lie­ber habe ich da die von Logos gra­tis bereit­ge­stell­te Syn­op­sis des Alten Tes­ta­ments.

Da mein Herz in beson­de­rer Wei­se für die bibli­sche Theo­lo­gie schlägt, freue ich mich mitt­ler­wei­le über knapp 150 Bän­de zu die­sem Bereich. Eine klei­ne Aus­wahl: Wei­ter­le­sen

Eine komplexe und vielfältige Geschichte

aus: "TOTC: Judges and Ruth"

Je mehr ich mich mit dem Buch Rich­ter befas­se, des­to mehr stau­ne ich über die lite­ra­ri­sche Kom­ple­xi­tät die­ses Genie­streichs hebräi­scher Geschichts­schrei­bung. Ein Hin­weis von A.E. Cund­all, den ich mit euch tei­len möch­te:

„Wir soll­ten dar­auf ach­ten, dass wir nicht auf leicht­fer­ti­ge Wei­se unse­re west­li­chen Beob­ach­tungs- und Ana­ly­se-Metho­den in das Stu­di­um anti­ker Nah­öst­li­cher Doku­men­te impor­tie­ren. Zum Bei­spiel wer­den im Buch Rich­ter nicht weni­ger als fünf Grün­de dafür ange­ge­ben, war­um Isra­el dar­an schei­tert, das Land Kana­an ein­zu­neh­men. Es lag an den über­le­ge­nen Waf­fen und Befes­ti­gungs­an­la­gen der Kanaa­ni­ter (1,19), es lag an Isra­els Nei­gung, mit den Ein­woh­nern des Lan­des Bünd­nis­se zu schlie­ßen (2,1−5). Ein Grund lag in der Sün­de Isra­els und der not­wen­di­gen Bestra­fung dafür (2,20−21). Auch woll­te Gott Isra­els Treue tes­ten (2,22−23; 3,4). Schließ­lich soll­te Isra­el auch Kriegs­tech­nik erler­nen. (3,1−3). Anzu­neh­men, dass hier­in eine Inkon­sis­tenz vor­liegt, wür­de bedeu­ten, dass man den grund­le­gen­den hebräi­schen Ent­wurf des Lebens ver­wirft, der ein hoch ent­wi­ckel­tes Kon­zept der Sou­ve­r­än­ti­tät Got­tes besaß. Isra­el ver­sag­te bei der Erobe­rung aus sehr kla­ren Grün­den und so blie­ben die ursprüng­li­chen Eiwn­oh­ner im Land, doch Gott „über­steu­er­te“ selbst das zum Bes­ten sei­nes Vol­kes. Es gibt kei­nen Grund an die­ser Stel­le zwei oder mehr (Über­lie­fe­rungs-) Tra­di­tio­nen anzu­neh­men. Alle fünf Grün­de lagen dem Hebräi­schen Ver­ständ­nis zu unter­schied­li­chen Zei­ten und in unter­schied­li­chen Kon­tex­ten vor Augen. In ähn­li­cher Wei­se könn­ten wir vor der Wei­se zurück­schre­cken, in der Isra­el in die Hand bestimm­ter Unter­drü­cker aus­ge­lie­fert wird, um anschlie­ßend durch einen bestimm­ten Rich­ter befreit und regiert zu wer­den, wäh­rend der Kon­text es sehr deut­lich macht, dass nur eine klei­ne Zahl der Stäm­me und ein rela­tiv klei­ner Teil des Lan­des betrof­fen war. Eine Erklä­rung dafür könn­te in dem hebräi­schen Ver­ständ­nis der eth­ni­schen Soli­da­ri­tät lie­gen. ( Aus: Cund­all, A. E., & Mor­ris, L. (1968). Jud­ges and Ruth: an intro­duc­tion and com­men­ta­ry (Bd. 7, S. 25 – 26). Dow­ners Gro­ve, IL: Inter­Var­si­ty Press.)

Hier noch der Ori­gi­nal­text: Wei­ter­le­sen

„Deshalb könnt ihr kühn zum Vater treten und getrost bitten“

Martin Luther über das Gebet

„Es gibt außer­dem noch eini­ges ande­re, das anschei­nend zu den Sakra­men­ten gerech­net wer­den könn­te, näm­lich all das, dem eine Ver­hei­ßung Got­tes zuteil gewor­den ist: dazu gehö­ren das Gebet, das Wort, das Kreuz. Denn Chris­tus hat den Beten­den an vie­len Stel­len (der Schrift) Erhö­rung zuge­sagt, beson­ders Luk. 11, 5 ff., wo er uns mit vie­len Gleich­nis­sen zum Beten ein­lädt.“(Von der baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft der Kir­che 1520).

War­um sol­len wir beten? Weil Gott es befoh­len hat. So führt es Luther in sei­nem gro­ßen Kate­chis­mus in der Bespre­chung des Vater Unsers aus:

„Dar­um bit­ten wir und ver­mah­nen aufs flei­ßigs­te jeder­mann, daß man sol­ches zu Her­zen neh­me und auf kei­ne Wei­se unse­re Gebe­te ver­ach­te. Denn man hat bis­her ins Teu­fels Namen so geleh­ret, daß nie­mand sol­ches geach­tet und gemei­net hat, es wäre genug, daß das Werk getan wäre, Gott erhö­rets oder höret es nicht. Das heißt das Gebet auf gut Glück ver­sucht und ins Blaue hin­ein gemur­ret; dar­um ist es ein ver­lo­re­nes Gebet. Denn wir las­sen uns durch sol­che Gedan­ken beir­ren und abschre­cken: ich bin nicht hei­lig noch wür­dig genug; wenn ich so fromm und hei­lig wäre wie Petrus oder Pau­lus, so woll­te ich beten. Aber nur weit hin­weg mit sol­chen Gedan­ken, denn eben das Gebot, das Pau­lus getrof­fen hat, das trifft mich auch, und um mei­net­wil­len ist eben­so­wohl das zwei­te Gebot gege­ben wie um sei­net­wil­len, daß er kein bes­se­res noch hei­li­ge­res Gebot zu rüh­men hat. Dar­um sollst Du so sagen: mein Gebet, das ich tue, ist eben so köst­lich, hei­lig und Gott gefäl­lig wie das des Pau­lus und der Aller­hei­ligs­ten. – Grund: ich will ihn gern der Per­son hal­ber hei­li­ger sein las­sen, aber des Gebo­tes hal­ber nicht, weil Gott das Gebet nicht der Per­son hal­ber ansie­het, son­dern sei­nes Worts und Gehor­sams hal­ber.“ (Der Gro­ße Kate­chis­mus, 1529)

Auf die Fra­ge wie wir beten sol­len geht Luther in der „Deut­schen Aus­le­gung des Vater­un­sers für die ein­fäl­ti­gen Lai­en (1519)“ ein: Wei­ter­le­sen

Corona und Christus

Eine Hilfestellung von John Piper

„Der Grund, war­um wir es alle ver­die­nen, umzu­kom­men, ist nicht eine Lis­te von Regel­ver­stö­ßen, son­dern der unend­li­che Wert, den wir ver­ach­tet haben – der unend­li­che Wert all des­sen, was Gott für uns in Jesus Chris­tus bedeu­tet“ (J. Piper in Coro­na und Chris­tus, S 64f.) 

John Piper hat unmit­tel­bar nach Aus­bruch der Coro­na-Kri­se ein Buch über die­ses alles beherr­schen­de The­ma ver­fasst. Gera­de weil wir lang­sam anfan­gen, uns auf ein Leben mit dem Virus ein­zu­stel­len, freue ich mich auf die deut­sche Über­set­zung des Buches, die von E21 der­art schnell rea­li­siert wur­de. Hut ab!

Pipers Ant­wort ist in vie­ler­lei Wei­se befrei­end: Er ver­weist immer wie­der dar­auf, dass es sich lohnt, Gott zu ver­trau­en. Gott ist ein uner­schüt­ter­li­cher Fels, des­sen Wort abso­lut zuver­läs­sig ist. Hier zei­gen 50 Jah­re Pas­to­ren­dienst ihre fei­nen und sen­si­blen Früch­te. Damit unter­schei­det sich Pipers Ansatz mei­nes Erach­tens deut­lich von dem Ansatz des evan­ge­li­ka­len Fun­da­men­ta­lis­mus hier­zu­lan­de, der kei­ne Ant­wort auf die Pan­de­mie geben kann und ich wür­de hin­zu­fü­gen, auch kei­ne Ant­wort geben will. Ein Bei­spiel: Bereits am 22.03.2020 ver­öf­fent­lich­te die EFK Ried­lin­gen auf You­tube eine Pre­digt, die sich mit der Pan­de­mie aus­ein­an­der­setzt, die bis heu­te bereits über 60.000 Mal ange­hört wur­de. Als ich die Zah­len der Auf­ru­fe sah, war ich dar­über ver­wun­dert, dass es über­haupt so vie­le Evan­ge­li­ka­le (zumin­dest der­art kon­ser­va­ti­ver Prä­gung) in Deutsch­land gibt. Völ­lig mit Ent­set­zen erfüllt mich aber die Art der Reak­ti­on, die hier gege­ben wird. „Als mög­li­cher­wei­se letz­ter drin­gen­der Ruf Got­tes zur Buße“ getarnt, wird ein  eigent­lich poli­ti­sches Pro­gramm abge­spielt, bei dem die Bösen „da oben“ für alles schuld sind. Wer also Buße tun muss, macht der Pre­di­ger unbarmer­her­zig deut­lich… Wür­de also bloß Mer­kel „und die ande­ren da oben“ doch umkeh­ren, wäre alles wie­der so „groß­ar­tig wie frü­her“. Reich­lich dar­un­ter gestreut sind ver­schie­de­ne Ver­mu­tun­gen und Anma­ßun­gen, die einen her­vor­ra­gen­den Boden für Ver­schwö­rungs­theo­ri­en bit­ten und offen­sicht­lich auch mit dem Zweck geäu­ßert wer­den, die­se anzu­hei­zen. Wel­chen Trost das einem vom Coro­na-Virus schwer Erkrank­ten, oder einem indi­rekt Betrof­fe­nen (z.B. durch Arbeits­lo­sig­keit), oder einem Men­schen unter Angst geben soll, bleibt dabei völ­lig unklar. Doch genau die­se Art an Ant­wor­ten zieht in unfass­bar vie­len Krei­sen, zumin­dest in denen ich mich bewe­ge. Statt in Buße und Glau­ben umzu­keh­ren, statt das Evan­ge­li­um zu suchen, statt sich am Wor­te Got­tes zu säti­gen, tarnt man sich als Ver­schwö­rungs-Exper­te. Das sind mal erbärm­li­che Fei­gen­blät­ter. Wei­ter­le­sen

Right in Their Own Eyes

Ein Kommentar über Richter von George M. Schwab

Mit Freu­den habe ich Geor­ge Schwabs muti­gen Kom­men­tar über das Buch der Rich­ter gele­sen. Der Kom­men­tar besitzt eine span­nen­de Eröff­nung über Sim­son: Wie­so befällt der Geist Got­tes Sim­son gera­de dann, als er gegen ein Löwen­jun­ges kämpft. Wenn man bedenkt wie sel­ten im Alten Tes­ta­ment der Geist Got­tes auf Men­schen fällt, fin­det hier etwas außer­ge­wöhn­li­ches statt und ist dabei doch so tri­vi­al. Schwab öff­ne­te mir die Augen für die Kom­pe­xi­tät und die Kunst­fer­tig­keit des Buches Rich­ters. Der Autor berich­tet zuver­läs­si­ge Geschich­te, aber er berich­tet sie nicht so, wie wir das als West­ler gewöhnt sind. So ist die Chro­no­lo­gie der Ereig­nis­se unwe­sent­lich, wäh­rend die Rich­ter selbst nach den Stäm­men (12 an der Zahl, von jedem Stamm einer), und dann auch eher geo­gra­phisch sor­tiert, bespro­chen wer­den. Den vor allem unge­wöhn­li­chen und pro­ble­ma­ti­schen Kan­di­da­ten gilt dabei der beson­de­re Augen­merk. Dass es mehr als unna­tür­lich ist, dass Bie­nen in einem toten Kada­ver leben ist nur ein Hin­weis dar­auf, dass das Volk Got­tes im Land wo Honig fließt, umge­ben von toten Hei­den­völ­kern lebt.  Wei­ter­le­sen

„Ruhm dem Luther! Ewiger Ruhm dem teuren Manne…“

Heinrich Heine über Martin Luther

Durch Hei­ko A. Ober­mans Bio­gra­phie über Mar­tin Luther bin ich auf ein unge­wöhn­li­ches Werk Hein­rich Hei­nes auf­merk­sam gewor­den: Zur Geschich­te der Reli­gi­on und Phi­lo­so­phie in Deutsch­land.

Das Werk ist in drei Tei­le auf­ge­teilt, des­sen ers­ter Teil die Reli­gi­ons­ge­schich­te in Deutsch­land bis ein­schließ­lich Luther beschreibt. Hier schil­dert Hei­ne Luther als einen Natio­nal­held, der das Chris­ten­tum über­haupt nach Deutsch­land brach­te. Gleich­zei­tig möch­te er (da er der­zeit als Flücht­ling in Frank­reich lebt) zei­gen, dass die radi­ka­len ratio­na­lis­ti­schen Frei­heits-bewe­gun­gen Frank­reichs bei wei­tem nicht so viel „Frei­heit“ errei­chen wer­den, weil sie nur alter Katho­li­zis­mus im säku­la­ren Gewand blei­ben:

„Jene Per­si­fla­ge aber, nament­lich die Vol­taire­sche,  hat in Frank­reich ihre Mis­si­on erfüllt, und wer sie  wei­ter fort­set­zen woll­te, han­del­te eben­so unzeit­ge­mäß wie unklug. Denn wenn man die letz­ten sicht­ba­ren Res­te des Katho­li­zis­mus ver­til­gen wür­de, könn­te es  sich leicht ereig­nen, daß die Idee des­sel­ben sich in  eine neue Form, gleich­sam in einen neu­en Leib flüch­tet und, sogar den Namen Chris­ten­tum able­gend, in  die­ser Umwand­lung uns noch weit ver­drieß­li­cher beläs­ti­gen könn­te als in ihrer jet­zi­gen gebro­che­nen, rui­nier­ten und all­ge­mein dis­kre­di­tier­ten Gestalt. Ja, es hat sein Gutes, daß der Spi­ri­tua­lis­mus durch eine Reli­gi­on und eine Pries­ter­schaft reprä­sen­tiert wer­de, wovon die ers­te­re ihre bes­te Kraft schon ver­lo­ren und letz­te­re mit dem gan­zen Frei­heits­en­thu­si­as­mus unse­rer Zeit in direk­ter Oppo­si­ti­on steht.“

Ver­folgt Hei­ne hier eine Art Prä-Exis­ten­tia­lis­mus? Inter­es­san­ter­wei­se schreibt Hei­ne im Vor­wort zur zwei­ten Auf­la­ge in aller Deut­lich­keit über sei­ne Bekeh­rung zum The­is­mus. In typi­scher sehr offe­ner Hei­ne-Art berich­tet er: „Ich könn­te zwar, wie man­che Schrift­stel­ler in sol­chen  Fäl­len tun, zu einer Mil­de­rung der Aus­drü­cke, zu  Ver­hül­lun­gen durch Phra­se mei­ne Zuflucht neh­men; aber ich has­se im Grund mei­ner See­le die zwei­deu­ti­gen Wor­te, die heuch­le­ri­schen Blu­men, die fei­gen Fei­gen­blät­ter. Einem ehr­li­chen Man­ne bleibt aber  unter allen Umstän­den das unver­äu­ßer­li­che Recht,  sei­nen Irr­tum offen zu geste­hen, und ich will es ohne Scheu hier aus­üben. Ich beken­ne daher unum­wun­den, daß alles, was in die­sem Buche nament­lich auf die gro­ße Got­tes­fra­ge Bezug hat, eben­so falsch wie unbe­son­nen ist.“ Hei­ne erklärt auch, wie es zu die­sem Wan­del kam. Die Bekeh­rung geschah nicht durch ein Wun­der, eine Visi­on oder eine Stim­me vom Him­mel, son­dern „ganz ein­fach (durch) die Lek­tü­re eines Buches. — Eines Buches? Ja, und es ist ein altes, schlich­tes Buch, beschei­den wie die Natur, auch natür­lich wie die­se; ein Buch, das wer­kel­tä­gig und anspruchs­los aus­sieht, wie die Son­ne, die uns wärmt, wie das Brot, das uns nährt; ein Buch, das so trau­lich, so seg­nend gütig uns anblickt wie eine alte Groß­mutter, die auch täg­lich in dem Buche liest, mit den lie­ben, beben­den Lip­pen und mit der Bril­le auf der Nase — und die­ses Buch heißt auch ganz kurz­weg das Buch, die Bibel. Mit Fug nennt man die­se auch die Hei­li­ge Schrift; wer sei­nen Gott ver­lo­ren hat, der kan­nihn in die­sem Buche wie­der­fin­den, und wer ihn nie gekannt, dem weht hier ent­ge­gen der Odem des gött­li­chen Wor­tes.Hei­ne war ein Pop­star sei­ner Zeit und ähn­lich wie bei Bob Dyl­an heu­te bleibt wohl unklar ob er sich nun zum Chris­ten­tum oder zum Juden­tum bekehrt hat­te. Wei­ter­le­sen